Lange Nacht der Museen 2022 // Gedenkstätte Andreasstraße, Erfurt

Einmal im Jahr, zur Langen Nacht der Museen, ist es unserem Verein Freiheit e.V. gestattet, Führungen am authentischen Ort in der Haftetage der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Andreasstraße durchzuführen. 

Uns ehemals Inhaftierten ist es besonders wichtig, unsere Erinnerungen weiterzugeben. Dabei ist es gerade ein Gewinn, interessierten, jungen Menschen, die diese Zeit nicht miterleben konnten, unsere ganz persönlichen Geschichten und Erfahrungen aus den unterschiedlichen Zeitepochen der damaligen DDR in einer ungezwungenen Atmosphäre frei erzählen zu dürfen.

Wie jedes Jahr brachten uns die Besucher sehr viel Aufmerksamkeit und Neugier entgegen.  Das hat gezeigt, dass das Interesse an einem authentischen Ort, mit Zeitzeugen die Geschichte der Diktatur hautnah zu erfragen, ein ganz wichtiger Aspekt der Aufarbeitung ist.

Aus Nah und Fern nehmen die Zeitzeugen unseres Vereins diese Gelegenheit der Begegnung von Herzen wahr. Allerdings ist dies leider nur einmal im Jahr gestattet. 

Die persönlichen Geschichten reichen vom gelungenen Leben in der DDR bis zur Schockvernehmung, Inhaftierung und dem Leben im Hier und Jetzt. 

In diesem Jahr standen Frau Herkelmann, Frau Umbereit sowie Frau Ritter als Ehefrauen neben ihren Inhaftierten Ehemänner, Rolf Herkelmann, Jürgen Umbereit und Roland Ritter, ebenfalls als Zeitzeugen zur Verfügung. Ihre Erzählungen aus Sichtweise einer Ehefrau eines Inhaftierten waren unglaublich interessant, da sie die Lage bzw. Situation von außerhalb beleuchteten. So besuchten sie ihre Ehemänner, schrieben Briefe und litten ebenfalls unter der damaligen Situation und Trennung.

Die Ehepaare konnten frei befragt werden, was auf ganz großes Interesse und Nachfrage der Besucher gestoßen ist. 

Dorit Bause, Klaus Wolf und Michael Süß waren ebenfalls als ehemalige politisch Inhaftierte mit ihren Erfahrungen aus Haft, Leid, Liebe und dem Hier und Jetzt präsent. 

Allen hat es Spaß gemacht. Sie erhielten für Ihre persönliche Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse durch die Besucher eine würdevolle Anerkennung. Viele  Besucher bemängelten im Gespräch, dass dies nur an der langen Nacht der Museen möglich ist.

Für das bereits erhaltene Feedback möchten wir uns herzlich bedanken. 

Wir versprechen als Zeitzeugen weiter präsent zu bleiben und unsere Möglichkeiten vor Ort zu erweitern, um das Erlebte gerade der jungen Generation weiter zu geben.